Wir verzichteten dabei bewusst auf eine Hochglanz-Powerpoint-Präsentation und beschäftigten uns stattdessen intensiv mit vier zentralen Fragen: Was genau ist eine Öko-Modellregion ? Wer hat sie ins Leben gerufen? Wozu? Und vorallem: Wie kann jede und jeder einzelne davon profitieren?
Hier ein kleiner Auszug daraus:
Das Konzept "Öko-Modellregion" ist ein Lenkungsinstrument der Bayerischen Landesregierung, um das Ziel "30%-Bio-Anbaufläche bis 20230" zu erreichen. Die Bayerische Landesregierung fördert heimisches Bio aus sehr handfesten Gründen:
- Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt (3% in 2024; nochmal 7% in 2025) ABER 40% der in Deutschland verkauften Bio Produkte (vor allem Gemüse, Getreide und Milch) werden aktuell importiert. Regionaler Bio-Anbau kann die Importe ersetzen. Jeder zusätzliche Hektar Bio-Fläche in der Region bedient realen, bereits vorhandenen Absatz. Hier liegen Möglichkeiten brach.
- Bio-Anbaufläche macht uns als Gesellschaft krisensicherer, weil unabhängiger von synthetischen Düngemitteln und damit von fossilen Energieträgern. Synthetische N-Dünger werden über das Haber-Bosch-Verfahren hergestellt. 70–80% der Herstellungskosten entfallen dabei auf Erdgas. Bio-Betriebe wirtschaften ohne synthetische N-Dünger. Hauptsächlich deshalb liegt der Energieeinsatz liegt bei ihnen lt. Thünen Institut bei nur 7 GJ/ha gegenüber 14 GJ/ha im konventionellen Anbau, sprich bei der Hälfte. Eine Lebensmittelerzeugung, die strukturell nicht von Mineraldüngerpreisen abhängig ist, ist krisensicherer.
- Bio-Anbaufläche vor Ort hält das Trinkwasser sauberer und sorgt für mehr Insekten zur Bestäubung. Der Stickstoffeintrag je Hektar liegt im Ökolandbau um ein Drittel niedriger als im konventionellen Vergleich (FiBL-Metastudie, 2021). Das entlastet messbar die kommunale Trinkwasserinfrastruktur und spart Geld bei der Wasseraufbereitung. Bio-Flächen weisen im Durchschnitt 30% mehr Pflanzenarten und 50% mehr Wildbienen auf. Die Bestäubungsleistung, die diese Tiere leisten, wird für Deutschland auf über 4 Mrd. Euro/Jahr geschätzt.
Daraus folgt: "Mehr Bio bringt per se jedem einzelnen von uns etwas." Aus diesem Grund möchte die Bayerische Landesregierung, dass in Bayern mehr Bio-Produkte erzeugt und verkauft werden. Da die Regierung selbst keine Lebensmittel anbaut, muss sie Bauern motivieren, das zu tun. Dazu hat sie das Konzept der Öko-Modellregionen ins Leben gerufen und übernimmt in den ersten Jahren einen Großteil der Kosten dafür. In diesen Öko-Modellregionen sollen ...
- KonsumentInnen heimisches Bio schmackhaft gemacht werden, damit die Nachfrage danach steigt.
- Bestehende Bio-Betriebe darin unterstützt werden, diese steigende Nachfrage zu bedienen.
- Neue Bio-Betriebe hinzugewonnen werden.
Das bedeutet konkret: Die Öko-Modellregion ist für ALLE da, sie schließt niemanden aus. Im Gegenteil. Sie wendet sich ganz explizit auch an konventionelle Landwirte und LandwirtInnen, indem sie ihnen Möglichkeiten bietet, ganz niederschwellig mit Bio in Kontakt zu kommen. *
Am Ende des Vortrags gab's noch die gute Nachricht für alle diejenigen, denen die Leistungen der Öko-Modellregion nicht so viel wert sind: In den ersten Jahren gibt es die Öko-Modellregion zum Dumpingpreis - im konkreten Fall Bruck für nur maximal 1,65 € pro Person und Jahr. Den Rest zahlt das Land Bayern.
*Ein Beispiel dafür, wie wir das umsetzen, ist der Vortrag von Prof. Dr. Hülsbergen im Januar 2025 in Egmating. Anschaulich erklärte er, worauf es bei der Milchviehhaltung ankommt, um die CO2 Emissionen so gering wie möglich zu halten. Im Publikum: 50% Bio-Bauern, 50% konventionelle Bauern. Positive Rückmeldungen von beiden Seiten. Oder der Vortrag von Herrn Michael Höhensteiger, Geschäftsführer und landwirtschaftlicher Berater des Maschinenrings Aibling-Miesbach-München im März 2026. Auf Einladung der Öko-Modellregion hat er vor biologisch und konventionell wirtschaftenden Bauern über die Vor- und Nachteile diverser Kooperationen unter Rinderbauern gesprochen. Beim anschließenden Zusammensitzen und "Miteinander-ins-Gespräch-kommen", fragt ein junger, konventionell arbeitender Bauer einen älteren Bio-Bauern: „Ich wollte eigentlich immer schon austreiben. Aber mein Vater hat damit schon aufg’hört, es gibt keine Erfahrung mehr am Hof dazu und ich trau mich net drüber. Darf ich mir das bei dir mal anschauen, wie’s gehen könnt?“ Das ist der Mehrwert, der in einer Öko-Modellregion geschaffen wird: Menschen zusammen bringen, informieren, Denkprozesse anstoßen. So passiert Veränderung in der Praxis. Ganz klein, ganz schleichend.