Tierwohl und Qualität im Mittelpunkt
Hubert Nagele bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Frau Sophie den Lechnerhof mit rund 60 Milchkühen. Seit 2002 werden auf dem Betrieb außerdem Rinder in einem hofeigenen Schlachthaus geschlachtet und verarbeitet.
Im Jahr 2022 wurde das Schlachthaus mit Unterstützung einer LEADER-Förderung modernisiert. Ergänzend investierte der Betrieb in eine mobile Schlachtbox. Diese ermöglicht es, Rinder direkt auf dem Hof und in ihrer gewohnten Umgebung zu schlachten – ohne belastende Tiertransporte.
„Das ermöglicht den Tieren ein absolut stressfreies Lebensende“, erklärte Hubert Nagele. „Die Auswirkungen der stressfreien Schlachtung machen sich auch bei der Fleischqualität und letztlich im Geschmack bemerkbar. Davon profitieren Tiere, Betriebe und Verbraucher gleichermaßen.“
Die Nachfrage nach der mobilen Schlachtung hat sich seitdem äußerst positiv entwickelt: Im vergangenen Jahr wurden bereits rund 150 Rinder auf diese Weise geschlachtet – etwa 50 mehr als ursprünglich geplant.
Die Öko-Modellregion als Impulsgeber
Den Grundstein für dieses Erfolgsprojekt legte die Öko-Modellregion Hochries-Kampenwand-Wendelstein. Sie begleitete die Beantragung der LEADER-Förderung und stellte den Kontakt zum LAG-Management her.
„Uns fehlte der Dreh- und Angelpunkt für den Aufbau einer regionalen Wertschöpfungskette für Weidefleisch“, erläuterte Projektmanagerin Steffi Adeili. „Mit dem Projekt Stressfreies Schlachten im Inntal konnten wir die Schlachtung und Verarbeitung von Weiderindern aus dem Landkreis Rosenheim langfristig sichern. Dadurch wurde nicht nur die Direktvermarktung der inzwischen rund 35 Mitgliedsbetriebe von Rosenheimer Weidefleisch e.V. gestärkt, sondern auch eine erfolgreiche Kooperation mit den Prechtl-Märkten aufgebaut.“
Seit Ende 2025 ist Rosenheimer Weidefleisch regelmäßig an den Frischetheken der regionalen Prechtl-Märkte erhältlich.
„Ohne das Engagement der Öko-Modellregion wäre diese Zusammenarbeit nie entstanden“, waren sich Jochen Aumüller (Geschäftsführung Prechtl), Hubert Nagele sowie Kaspar Gasteiger, erster Vorsitzender von Rosenheimer Weidefleisch e.V., einig.
Anerkennung für die Arbeit der Öko-Modellregion
Auch Staatsministerin Michaela Kaniber zeigte sich beeindruckt von der Entwicklung:
„Was Sie hier mit Rosenheimer Weidefleisch aufgebaut haben, ist wirklich bemerkenswert. Die Öko-Modellregionen leisten als Plattform einen wichtigen Beitrag, indem sie Landwirtschaft, Handel, Gastronomie und Verbraucher miteinander vernetzen. Deshalb habe ich mich von Anfang an dafür eingesetzt, dass die Öko-Modellregionen verlängert und dauerhaft verstetigt werden.“
Zukunft der Öko-Modellregion bleibt Herausforderung
Die anwesenden Bürgermeister der ÖMR-Gemeinden Brannenburg, Frasdorf, Neubeuern und Rohrdorf betonten die große Bedeutung der Öko-Modellregion für die regionale Entwicklung.
Gleichzeitig machte Rohrdorfs Erster Bürgermeister Simon Hausstetter deutlich, dass die Finanzierung über das Jahr 2027 hinaus noch nicht gesichert sei:
„Aufgrund der angespannten Haushaltslage der Kommunen wird eine Fortführung der Öko-Modellregion nach 2027 voraussichtlich nur in deutlich reduziertem Umfang möglich sein. Hier wäre eine stärkere finanzielle Unterstützung durch das Landwirtschaftsministerium wünschenswert.“
Auch Neubeuerns Erster Bürgermeister Christoph Schneider verwies auf mögliche Zukunftsperspektiven. So werde derzeit die Gründung eines interkommunalen Zweckverbandes zur Förderung der Landwirtschaft und regionalen Wertschöpfung diskutiert, in den die Öko-Modellregion künftig integriert werden könnte.
Artenvielfalt auf den Weideflächen erleben
Im Anschluss an den Hofbesuch führte Betriebsleiter Sepp die Gäste über seine Weideflächen. Im Mittelpunkt standen die extensive Bewirtschaftung von Steilhängen sowie die Beweidung artenreicher Wiesen. Dabei wurde unmittelbar sichtbar, welchen Beitrag eine naturnahe Landwirtschaft für die Biodiversität leistet: Zahlreiche Wildblumen, Kräuter, Insekten und Eidechsen machten die Vielfalt der heimischen Kulturlandschaft eindrucksvoll erlebbar.