Bienenweide und Augenpracht

Gemeinde leistet mit Blühwiesen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität

Projekt: Kommunales Engagement , Öffentlichkeitsarbeit , Streuobst und Artenschutz

Vorbereitung Saatgut: Nach dem Vermischen mit Schrot hat Sepp Stein das Saatgut in das Aussaatgerät, die Geign, geschüttet. Bürgermeister Thomas Gasser (links) sah aufmerksam zu.

Vorbereitung Saatgut: Nach dem Vermischen mit Schrot hat Sepp Stein das Saatgut in das Aussaatgerät, die Geign, geschüttet. Bürgermeister Thomas Gasser (links) sah aufmerksam zu.
© Monika Konnert

Teisendorf. Auf drei Flächen wurden von der Gemeinde unter Mitwirkung des Kreisgartenfachberaters Sepp Stein drei Blühwiesen angesät. Die Flächen liegen an der Turnhalle der Grundschule Teisendorf, der Lindenallee Ecke Sudetenlandstraße und gegenüber dem Kindergarten. Auch die Bevölkerung war eingeladen, um bei der Aussaat dabei zu sein. Die Aktion ist Teil des Projektes „Ökologisches Pflegekonzept der kommunalen Grünflächen“ der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel, an dem sich auch die Marktgemeinde Teisendorf beteiligt. Die Anlage von Blühwiesen wird vom Landkreis, der Biosphärenregion Berchtesgadener Land und dem Landschaftspflegeverband durch Information, Bereitstellung von Saatgut oder Aussaataktionen wie die in Teisendorf unterstützt. Für die Teilnehmer war es eine gute Gelegenheit, sich über die Vorgehensweise bei der Anlage von Blühwiesen zu informieren, damit dies auch im eigenen Garten gelingt.

An der Turnschule hatten sich neben interessierten Bürgerinnen und Bürgern der 1. Bürgermeister Thomas Gasser, Kreisfachberater Sepp Stein, Maria Baumgartner und Stephanie Hauser von der Bauverwaltung, Bauhofleiter Andreas Lamminger sowie der für die Grünflächen der Gemeinde zuständige Bauhofmitarbeiter Hans Willberger eingefunden. Der Rathauschef erklärte kurz die Hintergründe des Projektes und das Ziel, das die Gemeinde mit dieser Aktion verbindet: einen Beitrag zu leisten zum Erhalt und zur Mehrung artenreicher Wiesen und damit der Artenvielfalt insgesamt. Verbunden damit sei die Hoffnung, dass der eine oder andere Bürger auch in seinem Garten einen Platz für solche Blühwiesen findet und damit den Wildbienen und heimischen Insekten eine Nahrungsquelle bereitstellt.

Die Flächen für die Aussaat waren im Vorfeld vom gemeindlichen Bauhof vorbereitet worden. Zuerst hatte man den Rasen abgeschoben, danach die Fläche umgebrochen und auf einem Teil Sand und Kies eingearbeitet. Bevor es an die Aussaat ging, erklärte Sepp Stein den Unterschied zwischen einjährigen und mehrjährigen Blumenwiesen. Diese unterscheiden sich in ihrem ökologischen Wert, den Bodenansprüchen und dem Erscheinungsbild. Um dem Betrachter einen Vergleich zu ermöglichen, wurden auf den drei Teisendorfer Flächen beide Mischungsarten angebaut.
Einjährige Mischungen, so Sepp Steiner, brauchen nährstoffreiche, humose Böden und einen sonnigen oder halbschattigen Standort. Sie blühen zwar schöner, haben aber einen geringeren ökologischen Wert, da sie auch nichtheimische Arten enthalten, die für Wildbienen weniger geeignet sind. Nach dem Absamen im Herbst sterben die Pflanzen ab, im nächsten Jahr können durch Keimen der abgefallenen Samen neue Sämlinge aufkommen. Mehrjährige Mischungen heimischer Arten enthalten Staudenkräuter, die im Winter oberirdisch absterben und im Frühjahr aus den Wurzeln austreiben. Um die Konkurrenzkraft der Gräser, die in den Samenmischungen zwangsläufig enthalten sind, zu dämpfen, werden sie auf magerem Boden ausgebracht, wo sich die Kräuter gut entwickeln und gegenüber den Gräsern durchsetzen können. Ihre Blüte ist weniger spektakulär, sie bieten aber Wildbienen, Hummeln und anderen heimischen Insekten eine gute Nahrungsgrundlage. Bei richtiger Pflege setzen sich ab dem zweiten Jahr langlebigere Arten wie Margeriten, Salbei oder Schafgarbe durch, die im ersten Jahr im Vergleich zu den Gräsern eine langsamere Jugendentwicklung durchmachen. 85 Prozent Kies und 15 Prozent Humuserde sind ein idealer Boden für eine mehrjährige Blumenwiese.

Das Saatgut für die Aussaat hatte der Kreisgartenfachberater mitgebracht. Das Saatgut für die mehrjährige Blumenwiese war vom Landschaftspflegeverband und der Biosphärenregion auf noch vorhandenen artenreichen Wiesenflächen in der Region durch „Ausbürsten“ mit dem Wiesensaatgutbeerntungsgerät „e-Beetle“ gewonnen worden war. Die wertvolle Mischung wurde dann getrocknet und bis zur Aussaat kühl gelagert. Vor der Aussaat wurde das Saatgut intensiv mit Schrot, Schrot oder Sägemehl gemischt, damit man es gleichmäßiger ausstreuen kann und die kleinen Samen nicht weit weg fliegen. Dann gings ans Säen. Mit einem Handsägerät, „der Geign“ oder per Hand wurde das Saatgut möglichst gleichmäßig über die gesamte Fläche ausgestreut. Anschließend wurden die Samen leicht eingerecht und gewalzt. Wichtig ist, dass die Samen nicht vom ersten Regen ausgeschwemmt werden. Die ersten sechs Wochen sollte die Erde durch Gießen gleichmäßig feucht gehalten werden, riet Stein den Teilnehmern.

Auf der Fläche an der Lindenallee wurde ein Vergleichsversuch angelegt. An den Rändern wurde die einjährige Blühmischung ausgebracht. Die Fläche für die mehrjährige Mischung wurde entlang einer Nord-Süd-Achse und entlang einer Ost-West-Achse in vier Rechtecke aufgeteilt. Auf der Nordseite wurde der Boden mit einer ca. 10-15cm dicken Kiesschicht abgemagert. Im südlichen Teil wurde der Boden lediglich umgebrochen. Im östlichen Teil wurde Saatgut aus dem alpinen Bereich, auf der Westseite Saatgut aus dem voralpinen Bereich ausgebracht. Man kann gespannt sein, welche Unterschiede sich zwischen den Teilflächen zeigen. Die Fläche am Kindergarten wurde schon vor einigen Tagen von Mitarbeitern des Bauhofs mit einer einjährigen Mischung eingesät. Eine mehrjährige Mischung wird dort laut dem Kreisgartenfachberater auch noch ausgebracht werden.

Damit Blühwiesen gelingen, müssen sie nicht nur richtig angesät, sondern im Laufe des Jahres auch richtig gepflegt werden. „Auch die Wildheit braucht ihre Pflege“, so Stein. Dabei ist Mähen ein wichtiges Thema. Der erste Schnitt sollte Mitte bis Ende Juni erfolgen. Während oder nach der Vollblüte der Margeriten, der zweite Schnitt vor dem Winter. Das Mähgut muss unbedingt abgeführt werden, damit die Fläche mager bleibt. Kreisgartenfachberater und Bürgermeister wünschten zum Abschluß allen Gartlern viel Erfolg bei der Aussaat ihrer insektenfreundlichen Wiesen.


Artikel von Monika Konnert aus dem Traunsteiner Tagblatt vom 18.05.2022 (sowie Südostbayerische Rundschau)

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07.06.2022

Region: Waginger See - Rupertiwinkel