Mit Bier- und Brotgenuss für den Artenschutz aktiv

Feldlerchen in der Flur schützen – Das machen die Öko-Modellregionen Waginger See – Rupertiwinkel und Inn-Salzach gemeinsam mit ihren Biobauern, Biobäckern und dem Landschaftspflegeverband (Traunstein und Altötting) möglich

Projekt: Bioackerbau , Bioverarbeiter , Ernährungsbildung

Georg Planthaler
© Annalena Brams

Die Feldlerche lebt und brütet am Boden. Ihr Bestand ist in Deutschland seit 2013 um 45% eingebrochen. Um diesem Missstand entgegenzuwirken sind viele helfende Hände erforderlich.

Die Öko-Modellregionen Waginger See-Rupertiwinkel sowie, neu dabei, Inn-Salzach, eine Gruppe Bio-Getreideerzeuger und –Verarbeiter sowie der Landschaftspflegeverband Traunstein und Altötting bündeln ihre Kräfte und schließen sich als Initiativen-Verbund zusammen. Welche Initiativen bündeln sich für den Feldlerchenschutz?

Bio-Braugerstenfelder als Start- und Landebahnen
Mit dem Start der Ökomodellregion Waginger See - Rupertiwinkel hat sich eine enge Kooperation zwischen 17 Biobauern und der Schlossbrauerei Stein entwickelt. Beteiligt sind auch Landwirte, die Flächen in der Nachbar-Öko-Modellregion Inn-Salzach bewirtschaften. Die Schlossbrauerei Stein zahlt einen fairen Preis für regionale Bioware und braut fünf Sorten Biobier mit regionalem Charakter.
Gleichzeitig ergeben sich verschiedene Pluspunkte für den Artenschutz. Sechs Bio-Braugersten-Erzeuger haben heuer eine Reihe von ca. 25 m² großen Fenstern auf dem Braugersten-Acker ausgespart, die Feldlerchen als „Start- und Landebahn“ benötigen:
Alois und Alexander Roither aus Schnaitsee, Sepp Beutlrock aus Kienberg, Georg Planthaler aus Trostberg, Sepp Reiter aus Palling, Wolfgang Aicher aus Kirchweidach und Andreas Remmelberger aus Burgkirchen.

Weitere Erzeuger testen den Mischanbau mit Ölsaaten wie Bioleindotter oder Biosenf. Diese Felder sind großflächige Blühfelder mit reichlich Nahrung für Bienen und Insekten. Damit profitieren die Feldlerchen auch vom vielfältigen Wildkraut- und Insektenangebot, das ihre Jungen, die im angrenzenden Bestand gut versteckt sind, für eine erfolgreiche Aufzucht benötigen.
Die Biobraugersten-Erzeuger planen ihr Lerchenfenster-Projekt für das nächste Jahr auf alle beteiligten Landwirte auszuweiten. Aktiv unterstützt und beraten werden sie dabei vom Landschaftspflegeverband Traunstein, Bettina Gschlößl und Jürgen Sandner.
Die Bio-Biere der Schlossbrauerei sind bei diversen regionalen Getränkehändlern, in Gaststätten und im Heimlieferdienst erhältlich.

Fenster für Bayerns UrEinwohner
Heuer haben auch Bio-Landwirt Andreas Eder (Perach) und Jan Skorupa vom Landschaftspflegeverband Altötting, im Rahmen der Artenschutzkampagne „Bayerns UrEinwohner“, mit dem Anlegen von Lerchenfenstern gestartet. Andreas Eder hat bei der Winterweizen-Aussaat im Jahr 2019 fünf 25 m2 große Fenster auf dem Acker ausgespart. In diesen Fenstern können, ab diesem Frühjahr, Feldlerchen landen und im Umkreis von 10m Radius um das Fenster herum ungestört brüten. Hintergrund: Was sind „Bayerns UrEinwohner“?

Ährenwertes Ziel: Regionaler Artenschutz durch regionale Backwaren
Der „Resche Biobäcker“ Markus Huber hat sich 2019 auf Initiative der Ökomodellregion Waginger See biozertifizieren lassen und bäckt für Edeka- und Rewe-Filialen in beiden Landkreisen (Traunstein und Altötting) Brot mit regionalem Getreide, u.a. Emmerbrot. Emmer ist eine historische Getreideart und wächst sehr licht, sodass die Lerche, auch ohne „Fenster“, Landefläche finden kann. Das Urgetreide entwickelt beim Backen ein angenehmes Aroma und ist zunehmend gefragt. Bislang bezieht er sein Urgetreide aus dem Landkreis Traunstein, von „Biourgestein“ Franz Obermeyer aus Tengling, der von Beginn an auch im Vorstand der Ökomodellregion Waginger See mitwirkt.
Der Landschaftspflegeverband Altötting und die Öko-Modellregion Inn-Salzach machten Bäcker Markus Huber und Andreas Eder bekannt und schlugen ihnen die Idee einer „Lerchensemmel“ vor, die nun in das „UrEinwohner-Projekt“ integriert wird. Die Öko-Modellregion unterstützt mit Anbauberatung und Tipps zur Lagerung, Verarbeitung sowie Vermarktung. Im Spätsommer 2020 will Andreas Eder ebenfalls mit dem Anbau von Urgetreide für Bäcker Markus Huber starten.

Um den Schutz der Lerchen in die Fläche zu bringen, rufen die Öko-Modellregionen interessierte Gaststätten, Getränkehändler und Bäckereien auf, die Idee aufzunehmen und sich bei den Projektmanagern zu melden. Gute Voraussetzungen dafür bietet auch das Bio-Bäckernetzwerk rund um den Waginger See, wozu neben Bäcker Huber auch die Bäckereien Wahlich in Surheim, Neumeier in Teisendorf, Wenig in Tengling und Mirlach in Fridolfing bzw. Palling gehören, die z.T. schon Biourgetreide verbacken. Durch eine steigende Nachfrage nach Bio-Braugerste und Bio-Emmer sollen weitere Landwirte einbezogen werden. Diese werden auf ihren Feldern naturfreundliche Maßnahmen, wie das Lerchenfenster, umsetzen und dafür entsprechend faire Preise erhalten. Für Bürgerinnen und Bürger heißt das: Mit dem Genuss von heimischem Biobier und Emmer-Brot den regionalen Naturschutz unterstützen.

Weltklassesänger vor Ort erleben
Landschaftspflegeverbände und Brauerei Stein stellen den Landwirten Informationsschilder zur Verfügung, welche Passanten vor Ort auf die genannten Flächen aufmerksam machen und Hintergrundinformationen zum Schutz der Feldlerche in der Flur liefern werden. Mit ein wenig Glück werden die Passanten beim Wandern auch vom Trillern der Feldlerche beglückt.
Am besten erkennt man die Feldlerche an ihrem fröhlichen Gesang, wer den noch nicht kennt findet hier ein Beispiel.

07.07.2020

Region: Waginger See - Rupertiwinkel

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