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Christian Neumeier

Neues akzeptieren und der Mut zur Gemeinschaft

Christian Neumeier
Christian Neumeier
© Daniel Delang, Öko-Modellregionen Bayern

Der nötige Schubs zur richtigen Zeit
Christian Neumeier bewirtschaftet mit seiner Frau Sophie und seinem Vater Albert einen Nebenerwerbsbetrieb in der Hartinger Straße. Die Pachtflächen sind größtenteils von der Stadt Regensburg. Das brachte den Stein ins Rollen. Als die Stadt beschloss, ihre Flächen künftig nur noch an Ökobauern zu vergeben, stand Neumeier vor einer Grundsatzentscheidung. Er gehörte anfangs zu den Skeptikern, doch der Gedanke an eine Umstellung war ihm als Junglandwirt nicht fremd.

„Anfangs fand ich die Entscheidung schwer, aber rückblickend war es der nötige Schubs, mich wirklich dafür zu entscheiden“, resümiert Neumeier heute, fünf Jahre später. Dieser Moment der Umstellung veränderte nicht nur seine Anbaumethoden, sondern sein gesamtes unternehmerisches Denken.

Wenn die Ernte ein Dach braucht
Mit der Umstellung auf Bio kamen die bekannten ackerbaulichen Herausforderungen: Das Zeitfenster für das Striegeln ist eng, das Wetter diktiert den Takt noch strenger als zuvor. „Man muss schneller reagieren, wenn sich Möglichkeiten ergeben“, beschreibt Neumeier die neue Flexibilität auf dem Acker. Doch die weitaus größere Hürde wartete nach der Ernte.

Während die Vermarktung über Verbände wie Naturland gut strukturiert ist, unterschätzte Neumeier – wie viele andere Umsteller in der Region – ein logistisches Nadelöhr: Die Lagerung. Bio-Getreide muss selbst gereinigt und separat gelagert werden. Doch als viele Regensburger Landwirte gleichzeitig umstellten, waren die bestehenden Kapazitäten schlichtweg erschöpft.

Ein neues Metier aus der Not geboren
Hier zeigte sich Neumeiers unternehmerischer Mut. Durch Glück bot sich ihm die Pacht eines Getreidelagers. Der Haken: Es war für seinen eigenen Betrieb viel zu groß. Anstatt abzuwinken, griff er zu. Er pachtete das Lager und schuf damit nicht nur Platz für seine eigene Ernte, sondern holte aktiv Kollegen dazu, die ebenfalls händeringend nach Lagermöglichkeiten suchten.

Was sich einfach anhört, entpuppte sich als enorme Kraftanstrengung. Neumeier gibt offen zu, dass er dieses Projekt sowohl finanziell als auch vom Arbeitsaufwand her zunächst „deutlich unterschätzt“ hat. Neben seinem Hauptberuf als Werkzeugmacher und der Arbeit auf dem Feld hatte er sich quasi über Nacht ein „vollkommen neues Metier“ im Nebenerwerb geschaffen: Er wurde zum Lagerhalter und Logistik-Manager für eine wachsende Gemeinschaft von Bio-Bauern.

Gemeinschaft macht stark
Diese Investition in die Infrastruktur wurde zum Fundament einer neuen Kollegialität. Das Lager wurde zum Knotenpunkt. Wo vorher jeder für sich wirtschaftete, entstand durch die gemeinsame Nutzung des Lagers ein echter Zusammenhalt unter den Umstellern. Die Risikobereitschaft Neumeiers zahlte sich für alle aus. Heute läuft das Lager gut, mittlerweile kann sich Neumeier vorstellen, sich die maßgebliche Betreuung des Lagers mit Kollegen zu teilen, was ihm wieder etwas Luft verschaffen würde. Heute blickt er zuversichtlich in die Zukunft und hat alle Herausforderungen gemeistert.

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