Die Wurzeln der Überzeugung
Franz Biersack ist in eine Familie hineingewachsen, die zu den Wegbereitern des ökologischen Landbaus rund um Regensburg zählt. Schon sein Vater, Michael Biersack, stellte den Betrieb in Graß als einer der ersten in der Region bereits 1989 auf Ökolandbau um. Damals, als es noch keine zertifizierten Bio-Siegel gab und die ökologische Landwirtschaft vor allem von einer eingeschworenen Gemeinschaft idealistischer Kollegen getragen wurde, trieb ihn der Wunsch nach Veränderung an. Aus der anfänglichen Milchwirtschaft entwickelte sich ab 1992 schrittweise der Gemüsebau. Was mit dem einfachen Verkauf von Milch und Gemüse ab Hof begann, wuchs über die Jahre zu einem festen Anlaufpunkt für die Regensburger: Ein improvisierter kleiner Laden wurde 1996 zum professionellen Bioladen, der weit über die eigenen Felder hinaus eine Erfolgsgeschichte schrieb.
Verantwortung übernehmen
Für Franz war früh klar, dass er in diese Fußstapfen treten würde. Mit einer Ausbildung zum Gemüsegärtner und dem Meistertitel in der Tasche übernahm er Verantwortung. Auch seine Frau Bianca, die ursprünglich eine kaufmännische Ausbildung im Betrieb seines Vaters absolviert hatte, stieg 2010 voll in den Laden ein. Die gemeinsame Arbeit und die konsequente Ausrichtung auf Direktvermarktung prägten den Alltag der jungen Familie. Der Hof in Graß war ein belebter, beliebter Ort – ein Treffpunkt für Kunden, die regionale Qualität schätzten. Doch mit der wachsenden Beliebtheit stieg auch die Belastung.
Das Spannungsfeld zwischen Idealismus und Alltag
Die Direktvermarktung, der Hofladen und der Anspruch, immer das Beste für die Kundschaft zu bieten, forderten ihren Tribut. Alles ordnete sich dem Betrieb unter, wie es in der Landwirtschaft oft Tradition ist. Doch Franz Biersack spürte zunehmend, dass dieser Einsatz einen hohen Preis hatte: „Wenn sich alles der Landwirtschaft unterordnet, geht das oft zu Lasten der Kinder. Etwa, wenn man samstags nicht beim Fußballspiel dabei sein kann oder kein gemeinsamer Urlaub möglich ist.“
Obwohl die ganze Familie hinter der Idee des Biolandbaus stand, wurde die Last der ständigen Verfügbarkeit erdrückend. Als der Laden schließlich zu klein wurde und eine Erweiterung anstand, realisierte Franz, dass eine erneute Vergrößerung nur noch mehr Arbeit und finanzielle Risiken bedeutet hätte. 2019 fiel deshalb die Entscheidung, den Hofladen zu schließen. Ein Schritt, der in Regensburg mit großem Bedauern aufgenommen wurde, für die Familie aber notwendig war.
Wandel und neue Wege
Franz Biersack empfindet diese Entscheidung heute als „Befreiungsschlag“. Er löste sich von den Fesseln, die die intensive Direktvermarktung der Familie auferlegt hatte. Durch die Umstrukturierung des Betriebs – mit Photovoltaik, der Vermietung der Gebäude und einem klaren Fokus auf den Ackerbau – hat er sich eine neue Stabilität aufgebaut. Endlich ist Zeit für Dinge, die früher undenkbar waren: Wochenenden mit den Kindern, Urlaub, ein Stück Normalität.
Gleichzeitig entdeckt er seine Leidenschaft für die Landwirtschaft neu. Während der Ackerbau früher oft „nebenbei“ laufen musste, kann er sich heute voll darauf konzentrieren. Er perfektioniert den Anbau von Weizen, Roggen, Braugerste und Körnermais, lernt den Boden in Graß neu zu verstehen und experimentiert mit Untersaaten wie Kleegras, um die Bodenfruchtbarkeit zu fördern. „Es ist das erste Mal, dass ich wirklich dazu komme, mich intensiv um den Ackerbau zu kümmern und gute Lösungen zu entwickeln. Das waren alles Dinge, für die früher gar keine Zeit blieb.“
Was bleibt
Franz Biersack steht exemplarisch für eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Grenzen der Belastbarkeit im modernen Landbau. Sein Weg zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht nur auf dem Acker, sondern auch im sozialen Gefüge der Familie stattfinden muss. Auch wenn der Verlust des Hofladens für die Regensburger schmerzlich war, ist der Gewinn an Lebensqualität für die Familie unbezahlbar. „Es ist ein lachendes und ein weinendes Auge, mit dem diese Entwicklung stattgefunden hat – aber am Ende zählt, dass wir ein Leben führen können, das zu uns passt.“