Entscheidung unter Druck
Viele konventionell wirtschaftende Landwirte versuchen noch, diese Entwicklung aufzuhalten, doch vergeblich. Froschhammer überlegt lange, denkt darüber nach, nur einen Teil seiner Flächen umzustellen, doch schließlich erkennt er: Ein Nebeneinander von konventionell und ökologisch macht für ihn keinen Sinn. So stellt er, nicht vollständig überzeugt, seinen Betrieb um. Mit fast 60 Jahren hätte er sich eine solche Umstellung unter normalen Umständen nie angetan – doch die Umstände waren eben nicht normal.
Die ökologische Bewirtschaftung fordert einiges an Investitionen. Für 140 Hektar investiert Froschhammer erhebliche Mittel: in neue Maschinen und in ein neues Lager. Das ist eine Last, die konventionelle Landwirte mit ihren etablierten Vermarktungsstrukturen nicht tragen müssen – die können ihre geerntete Ware direkt bei BayWa oder Bayerhof abladen und fahren leer nach Hause. Für Froschhammer wird es ab der Umstellung komplizierter.
Umbruch im Betrieb
Die Veränderungen im Anbau sind tiefgreifend. Zuckerrüben verschwinden, Kleegras kommt hinzu – 40 Prozent der Fläche. Die Ernte fährt er in die Biogasanlage und bekommt dafür Substrat zum Düngen zurück. Weizen, Gerste und Soja finden neu Raum auf den Feldern. Die weitreichende Umstellung überrascht ihn selbst: „Ich habe was ganz Neues gelernt und mach heute was ganz anderes," sagt er rückblickend.
Gemeinschaft statt Isolation
Was ihn daran besonders faszinierte, war das Eintauchen in eine andere Philosophie und die neue Gemeinschaft aus Gleichgesinnten. Die Umstellung isoliert ihn nicht, sondern verbindet ihn. Unter den Umstellern bildet sich eine schöne Gruppe. Berater vom Amt, vom Verband, ein Naturland-Kurs, Bauer-zu-Bauer-Gespräche – ein Netzwerk entsteht, das ihm hilft. Den Naturland-Berater schätzt er besonders. Gemeinsam mit diesen neuen Kontakten erarbeitet er sein Bewirtschaftungskonzept, und die Vermarktung über den Verband funktioniert auch gut.
Pragmatismus ohne Schwarz-Weiß-Denken
Noch immer sieht Froschhammer das Für und Wider beider Systeme. Ihm ist wichtig, nicht zu polarisieren: Der ökologische Landbau bringt Vorteile, doch die konventionelle Landwirtschaft ist auch anspruchsvoll. Die Unsicherheit bei Ernten gibt es überall – in guten Jahren wie in schlechten. Ökonomisch fällt es ihm schwer zu sagen, ob das eine oder das andere besser läuft. Er denkt, es läuft für ihn so oder so gleich raus – nur dass er jetzt mehr von der Förderung abhängig ist und sich damit „ein bisschen mehr am politischen Tropf" hängt, wie er sagt.
Die Reaktion der Verbraucher
Bemerkenswert ist das, was sich in der Wahrnehmung verändert: Früher mit der Spritze unterwegs, stieß er auf Ablehnung. Jetzt mit dem Striegel fährt er auf die Felder und schlägt ihm viel Wohlwollen vom Verbraucher entgegen. Das versöhnt ihn mit der Entscheidung der Stadt – es ist offenbar wirklich ein Verbraucherwunsch, auch wenn dieser sich im Konsum nicht immer konsequent abbildet.
Zwei Jahre später
Heute, mit zwei Jahren Abstand, sagt Froschhammer etwas, das verblüfft: „Im Grunde hat es mir gar nicht geschadet." Es ist eine Aussöhnung mit der Entscheidung – es ist eine Zufriedenheit, die er sich selbst nicht zugetraut hätte. Er steht hinter dem, was er macht. Vieles funktioniert gut im Ökolandbau, und es macht ihm durchaus Spaß.
Gerhard Froschhammer zeigt, dass Umstellen mehr bedeutet als einen Systemwechsel – es erfordert Offenheit, Mut zur Veränderung und die Bereitschaft, einen neuen Weg zu gehen, selbst wenn der Anstoß zunächst von außen kommt und man ihn gar nicht freiwillig gewählt hätte.