Boden und Wasser verstehen
Den zentralen fachlichen Impuls lieferte Prof. em. Dr. Karl Auerswald von der Technischen Universität München. Er machte deutlich, dass die zunehmenden Extremereignisse wie Dürreperioden, Starkregen und lang anhaltende Wetterlagen bislang nur zum kleineren Teil direkt dem Klimawandel zuzuschreiben sind, auch wenn dessen Auswirkungen künftig weiter zunehmen werden. Nach seinen Auswertungen steht heute immer weniger Wasser für die Grundwasserneubildung zur Verfügung. Ursache dafür sind weniger sinkende Niederschlagsmengen als vielmehr deren veränderte Verteilung.
Wenn Regenwasser im Boden gut aufgenommen und gespeichert werden kann, steht es als Vorrat für Trockenphasen zur Verfügung. Voraussetzung dafür ist ein unverdichteter, biologisch aktiver Unterboden, der offenporig bleibt und Wasser aufnehmen kann. Wird dieser Wasserfluss im Untergrund jedoch ständig unterbrochen, zum Beispiel durch Forststraßen, Rückegassen oder Wegseitengräben, verliert die Landschaft ihre Speicher- und Ausgleichsfunktion.
Besonders alarmierend ist die Entwicklung der sogenannten Erosivität des Regens. Sie beschreibt das Potenzial von Niederschlägen, Bodenabtrag und schädlichen Abfluss auszulösen, und hat sich seit den 1960er Jahren mehr als verdoppelt. Wird Regen nicht mehr gut in der Landschaft aufgefangen und gespeichert, führt der Klimawandel zwangsläufig zu mehr Hochwasser bei Starkregen und zu mehr Dürre in Trockenzeiten.
Praxisnahe Einblicke: Bodengesundheit und nachhaltige Erzeugung
Im Anschluss richtete Christoph Felgentreu den Fokus auf die Bodengesundheit als Grundlage einer nachhaltigen Erzeugung. Dabei betonte er die Bedeutung von Zwischenfrüchten, Humusaufbau und einer ausgewogenen Pflanzenernährung als zentrale Stellschrauben für stabile Erträge. Felgentreu plädierte für ganzheitliche Pflanzenbausysteme, die nicht nur den Boden selbst, sondern auch die ökologischen Kreisläufe zwischen Pflanze, Tier und Mensch berücksichtigen. Wie er zusammenfasste: „Bodenschutz ist immer auch Klimaschutz.“
Hecken, Feuchtflächen und Agroforst als natürliche Verbündete
Prof. Auerswald sprach sich zudem für ein Mosaik aus natürlichen Wasserspeichern in der Landschaft aus. Dazu zählen Feuchtflächen ebenso wie strukturreiche Landschaftselemente. Besonders hob er die Rolle von Hecken hervor, nicht nur aus Gründen der Biodiversität, sondern auch wegen ihrer positiven Wirkung auf Wasserhaushalt, Mikroklima und Ertrag. Studien zeigen, dass Hecken zwar den Ertrag unmittelbar daneben leicht mindern, in der Gesamtbetrachtung der Fläche jedoch zu Mehrerträgen führen können.
Ähnliche Effekte lassen sich auch bei Agroforstsystemen beobachten, bei denen Gehölze gezielt in landwirtschaftliche Nutzungen integriert werden. Im Landkreis Rottal-Inn gibt es hierzu aktuell ein Pilotprojekt zum Thema Agroforst und Wasserhaushalt, das diese Zusammenhänge praxisnah untersucht und weiterentwickelt.
Bodenkoffer und Boden:Praxis Rottal-Inn
Im Rahmen des Bodentages befasste sich Herr Ecker mit dem Thema Bodenkoffer und der praktischen Arbeit mit einfachen Methoden zur Bodenbeurteilung. Dies nahm die Öko-Modellregion zum Anlass, auf ein bereits bestehendes Angebot im Landkreis hinzuweisen, das LEADER-Projekt Boden:Praxis Rottal-Inn.
Im Landkreis stehen zahlreiche Bodenkoffer zur Verfügung, mit denen Landwirtinnen und Landwirte die physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften ihrer Böden selbst untersuchen können. Dazu zählen unter anderem Bodenstruktur, Durchwurzelung, Verdichtung, Wasserhaltefähigkeit und Bodenleben. Ziel ist es, das Verständnis für den eigenen Boden zu stärken und Bewirtschaftungsentscheidungen stärker am tatsächlichen Bodenzustand auszurichten.
Die zahlreichen Beiträge machten deutlich, dass klimaangepasste Landwirtschaft nicht auf einzelne Maßnahmen setzt, sondern auf ein Zusammenspiel aus Bodenpflege, Fruchtfolgengestaltung, Wasserrückhalt und Biodiversität angewiesen ist. Die Herausforderungen werden größer, deshalb ist der Austausch über regionale Lösungen wichtiger denn je. Ein gutes Zeichen dafür ist, dass zahlreiche Interessierte zum Rott- und Inntaler Bodentag nach Pfarrkirchen gekommen sind.