Nachdem Frank und Christine den alten Bauernhof übernommen hatten, nahmen sie die bis dahin verpachteten Flächen aus der Pacht zurück und ließen den Hof 2006 biozertifizieren. Frank Filliung ist gelernter Landwirt und Agraringenieur. Er war Geschäftsführer beim Bauernverband in Holzkirchen und ist als Unternehmensberater tätig. Zudem ist er der BBV-Ortsobmann von Taching. Christine Schachenmeier arbeitete über Jahrzehnte als Ärztin im Krankenhaus Rosenheim. Ihre Großeltern waren Landwirte.
Zum Hof gehören 34 Hektar landwirtschaftlicher Nutzgrund und 10 Hektar Wald. Als Betriebszweig wählten sie die Aufzucht von Bio-Kälbern. Die Rinder seien sehr soziale Herdentiere, das schätze er sehr, wie Frank Filliung sagt. Außerdem sei dies ein Bereich, der zunehmend nachgefragt wird. Die weiblichen Kälber kommen im Alter von fünf bis sechs Monaten, also wenn sie keine Muttermilch mehr brauchen, von Biohöfen aus dem Chiemgau zu ihnen. Mit diesen kooperieren sie seit Jahren. Die Tiere bleiben in der Regel zwei Winter und zwei Sommer. Dann bekommt das Rind sein Kalb und es geht an den „Heimat-Hof“ zurück. Das Ziel des Betriebsleiterpaares ist es, das Netz für solche Bio-Kooperationen zu pflegen.
Um die 50 bis 70 Jungtiere stehen im offenen Laufstall. Von Ende April bis Ende Oktober dürfen die Tiere auf die Weiden, die direkt am Hof angrenzen. Die Flächen werden im Herbst nach der Beweidung weder gemäht noch gemulcht. Natürliche Strukturen wie Kuhfladen dürfen bleiben, denn sie sind ausgesprochen wertvolle, artenreiche Ökosysteme. Sie sind die Kinderstube von Heerscharen von Insekten und somit notwendige Nahrungsgrundlage für viele Vögel.
Als Futtergetreide bauen Frank und Christine Triticale an. Diese gängige Frucht wechselt sich ab mit Kleegras. Was sie davon nicht für die eigenen Tiere brauchen, verkaufen sie an Biobauern. Auch hier haben sich mit den Jahren vertrauensvolle Kooperationen ergeben.
Die Hofstelle, die inmitten einer leicht hügeligen Landschaft auf einer Anhöhe oberhalb von Taching am See steht, haben Frank und Christine mit einer Vielzahl an Landschaftselementen wie Hecken, Feldgehölzen und mehr als hundert unterschiedlichen Obstbäumen aufgewertet. Dazu gehören Walnuss-, Haselnuss-, Zwetschgen-, Apfel- und Birnbäume. An den Hofgebäuden stehen noch Marillen-, Pfirsich- und Feigenbäume, welche exzellentes Tafelobst ergeben. Aus den eigenen Äpfeln pressen sie Apfelsaft. Die Investition für die dafür notwendige Anlage samt Pasteurisator konnten sie 2026 dank eines Ökokleinprojekts der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel stemmen. Das Betriebsleiterpaar will nicht nur eigenen Saft produzieren und vermarkten, sondern auch eine Lohnpressung anbieten.
Frank und Christine haben die Bewirtschaftung ihrer Felder so angelegt, dass nach und nach eine Biotopvernetzung mit Verbindungskorridoren zwischen den verschiedenen Lebensräumen entstanden ist. Das Hofgebäude und der Stall bilden quasi das Zentrum. Zudem fördern sie eine strukturreiche Landschaft, auch dies ist ein enormer Gewinn für die Artenvielfalt, für Boden, Trinkwasserqualität und das Klima. Wildtiere und seltene Pflanzen profitieren von diesen Maßnahmen, die ihren Lebensraum verbessern.
Über ein Dutzend Vogelarten können beim Tachinger Schröckenbauer inzwischen wieder beim Brüten beobachtet werden, darunter Schwalbe, Stieglitz, Neuntöter, Mönchgrasmücke und Bachstelze. Oben am Stall nistet sogar ein Turmfalke. Das ruhige Gelände ist ideal, damit die Vögel auf ihrem Zug bei ihnen rasten können. Am Weges- und Waldrand blühen Glockenblume, Wegwarte, wilder Thymian, Tausendgüldenkraut, der selten gewordene Gelbstern und vieles mehr. Dort fühlen sich auch allerlei Insekten und Schlangen wie Ringelnattern wohl, eben alles, was „kreucht und fleucht“. Durch spezielle Pflanzungen am Waldrand in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Traunstein unterstützt Frank auch den Lebensraum der Haselmaus, einer geschützten Art.
Wertvolle Lebensräume erhalten und gezielt weiterentwickeln, dies machen die beiden ganz bewusst. Denn an Natur, Bergen, Biotopen, Pflanzen und Tieren waren sie schon immer interessiert. Christine formuliert es sehr treffend: „Hineinspüren, beobachten und schauen, dass es Mensch und Tier gut geht“. Fast vier Jahrzehnte engagierte sich die ehemalige Krankenhausärztin als ehrenamtliche Fledermauspflegerin und hat dabei viel für die Schaffung und den Schutz von Fledermausquartieren geleistet. Auch am Hof hat sich über die Jahre eine Fledermauskolonie angesiedelt.
Eine besondere Erfahrung durften Frank und Christine 2024/25 machen. In dieser Zeit hatten sie dem ehrenamtlich arbeitenden Waldrapp-Team Flächen für ein Aufzucht- und Auswilderungscamp zur Verfügung gestellt. Der Waldrapp ist ein etwa fasanengroßer Schreitvogel mit eindrucksvollem Federschmuck auf dem Kopf, der in Mitteleuropa so stark bejagt wurde, das er ausstarb. Seit 2004 engagiert sich die Stadt Burghausen für den Zugvogel und beteiligt sich an diversen Wiederansiedelungsversuchen, um den Waldrapp wieder als Brutvogel in Europa zu etablieren. Das Biobauernpaar unterstützte dieses außergewöhnliche Projekt sehr gerne, wie sie sagen.
Frank und Christine wollen nicht nur gute Produkte herstellen, sondern diese auch naturschutzverträglich nach Bio-Kriterien produzieren. Das ist ihnen wichtig und das machen sie aus tiefster Überzeugung. Ab und an geben sie ihr Wissen auch bei Führungen für Schulkinder weiter. In ihrem Wirtschaften richten sie sich danach, was die Natur an einem bestimmten Fleck kann und was sich der Mensch nehmen darf, damit das Leben erhalten bleibt. „Ökologie und Ökonomie müssen stimmen, dann passt es“, sind sie sich einig.
Frank Filliung und Christine Schachenmeier
Landwirtschaftlicher Bio-Betrieb
Schröckenbauer 1
83373 Taching am See
Tel. 08687 984580
Porträt von Karin Kleinert, 20.04.2026