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Stets eine sehr individuelle Entscheidung

Großes Interesse an Informationsveranstaltung zur Umstellung zu Bio-Milchbetrieb in Petting

Projekte: Bio - direkt vom Bauernhof, Bio-Lebensmittel vom Grünland, Öffentlichkeitsarbeit
Mit einem Öko-Körberl voller regionaler Produkte wurden die Vortragenden von der Organisatorin Marlene Berger-Stöckl belohnt; v.l.: Hans Englschallinger, Christian Wagner, Bürgermeister Karl  Lanzinger, Ludwig Huber, Vroni Wolf, Bernhard Pointner, Marlene Berger-Stöckl und Josef Frisch
Mit einem Öko-Körberl voller regionaler Produkte wurden die Vortragenden von der Organisatorin Marlene Berger-Stöckl belohnt; v.l.: Hans Englschallinger, Christian Wagner, Bürgermeister Karl Lanzinger, Ludwig Huber, Vroni Wolf, Bernhard Pointner, Marlene Berger-Stöckl und Josef Frisch
© Alois Albrecht

Den Auftakt machte Naturlandberaterin Vroni Wolf mit dem Thema, wie ein Milchviehbetrieb auf Bio umgestellt werden könne. Sie erläuterte, was Ökolandbau bedeute und welche Anforderungen das  EU-Bio-Recht stelle, das den gesamten Prozess von Erzeugung über Verarbeitung bis zum Handel regle. Die Umstellung erfolge schrittweise: Zunächst müssten Weide- und Ackerflächen auf Bioqualität umgestellt werden, was generell zwei Jahre in Anspruch nehme. Danach erfolge die Umstellung der Tiere auf Biomilch und Biofleisch. Eine Vielzahl von Vorgaben - von Stallbau über Weidegang bis hin zur Kälberfütterung – sei dabei zu beachten. Wolf brachte es auf eine prägnante Formel: „Bio heißt Weide“.

Sie stellte zudem Fördermöglichkeiten vor, etwas durch das Kulturlandschaftsprogramm KULAP, das nach verschiedenen Kriterien berechnet werde. Zudem werde für Biomilch generell ein höherer Erzeugerpreis bezahlt. Auch der Ertrag je Familien-Arbeitskraft sei höher.

 Der Agraringenieur Ludwig Huber, ehemaliger Leiter des Bereichs Betriebswirtschaft am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Traunstein, betonte die Bedeutung der familiären Einigkeit bei einer Umstellung. Ein Wechsel in die Bioschiene bedeute nicht nur veränderte Bedingungen in der Landwirtschaft, sondern erfordere auch eine mentale Neuausrichtung der gesamten Familie. Bio bedeute oft größere Investitionen in das Tierwohl wie beispielweise in den Stall oder durch die Weidepflicht, die Bioschiene sei mit mehr Arbeitsaufwand und einer Abkehr vom Ziel einer maximalen Milchleistung verbunden. Biobetriebe benötigten im langjährigen Schnitt etwa 8-10 Cent mehr pro Liter Milch, um den Mehraufwand wettzumachen. Im Moment liege der Mehrpreis deutlich darüber, entscheidend sei jedoch langfristige Durchschnitt. In den vergangenen zehn Jahren sei das betriebswirtschaftliche Gesamtergebnis im Dienstgebiet des AELF für Biobetriebe gut gewesen. Der notwendige Mehrpreis für die Aufwendungen sei im Schnitt der Jahre erreicht worden, wenn auch nicht in jedem Einzeljahr. Der Biomilchpreis sei weniger starken Schwankungen unterworfen wie der konventionelle Preis.

Huber warnte zugleich: Eine Umstellung sei nicht ratsam, wenn der Betrieb mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen habe. Auch ein aktuell höheres Milchgeld dürfe nicht ausschlaggebend sein, denn die Marktsituation könne sich auf unvorhersehbare Weise ändern.

 Josef Frisch, früherer Angestellter einer Kontrollstelle und Biobauer aus Waging, erklärte anschaulich und prägnant  die Mechanismen der Bio-Kontrollen. Neben einmal jährlich angemeldete Kontrollen nach EU-Ökoverordnung und den Vorgaben der Bio-Verbände könnten auch unangemeldete Kurzkontrollen stattfinden, bei denen nur bestimmte Aspekte des Betriebes geprüft würden.  Beurteilungen verschiedener Kontrolleure könnten gelegentlich durchaus differenziert ausfallen, aber: „Keine Angst, die Bio-Kontrolle ist kein Hexenwerk, sondern insgesamt gut machbar“, ermutigte Frisch.

Biobauer Hans Englschallinger aus Tittmoning berichtete aus seiner langjährigen Praxis über die Umsetzung der Weideverpflichtung nach EU-Ökoverordnung für alle Tiergruppen. Er schilderte, welche Gras- und Kleesorten er auf seinen Weiden anbaue, wie sich diese für verschiedene Bodeneigenschaften eigneten. Die Vollweide sei nicht nur artgerecht, sondern auch betriebswirtschaftlich, hatte bereits Ludwig Huber angemerkt – allerdings hätten nicht alle Betriebe einen einfachen Zugang zu hofnahen Weideflächen. Für Lösungen in diesem Bereich empfahl er neben Beratern der Ökoverbände auch Thomas Winkler vom AELF, der helfe, kostengünstige und praktikable Einzelfalllösungen zum Thema Stallbau zu erarbeiten.

Den Abschluss bildeten die Vertreter der beiden Molkereien, Molkerei Andechs und Berchtesgadener Land, Christian Wagner und Bernhard Pointner. Sie erklärten, der Markt für Biomilch habe sich nach einer längeren Periode, in der nicht alle interessierten Bauern einen Abnahmevertrag bekommen konnten, gut entwickelt. Bei beiden Molkereien würden Anträge von Umstellungswilligen gern entgegengenommen. Pointner verwies dabei auf einen gesellschaftlichen Trend: „Der Trend zu Longevity, insbesondere bei jungen Leuten, kommt uns sehr entgegen. Proteinreiche und kalorienarme Lebensmittel wie Bio-Skyr - ein Magermilchprodukt nach isländischem Vorbild, ähnlich dem bayerischen Topfen – sind ein richtiger Hype geworden. Wir kommen mit der Produktion kaum hinterher“. 

Die Nachfrage der Konsumenten nach Bio-Milchprodukten befinde sich insgesamt in einem Aufwärtstrend, wenngleich dieser sich zuletzt etwas abgeflacht habe.

Als Fazit der Info-Veranstaltung stand, dass die Umstellung zu einem Bio-Milchviehbetrieb stets eine sehr individuelle Entscheidung sei, bei der keine einheitlichen Maßstäbe angelegt werden könnten. Alle Referenten waren sich einig: Für eine erfolgreiche Umstellung seien vor allem eine positive mentale Grundhaltung und die Freude an einer biologisch ausgerichteten Landwirtschaft entscheidend.

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