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„Veränderungen als Chance sehen“

- Familie Spiegelsperger setzt auf Rinderhaltung und fördert die Biodiversität

Projekte: Bio - direkt vom Bauernhof, Bio-Lebensmittel vom Grünland, Öffentlichkeitsarbeit, Streuobst und Artenschutz
Jungbauer Michael Spiegelsperger mit seinen Eltern Hias und Marianne
Jungbauer Michael Spiegelsperger mit seinen Eltern Hias und Marianne
© Karin Kleinert

Als diese 1989 auf ökologische Landwirtschaft umstellten, gehörten sie zu den ersten Biobauern Teisendorfs. Die Familie hat Veränderungen über die Generationen hinweg als Chance gesehen und dabei auch neue Wege beschritten. Enorm wichtig ist es für den Familienbetrieb, nachhaltig und umweltschonend zu wirtschaften, das Tierwohl im Blick zu behalten und die Biodiversität zu fördern.

Michael Spiegelsperger erzählt, dass er von klein auf Bauer werden wollte. Das Arbeiten am Hof und mit den Tieren habe ihm immer Freude bereitet. Daher besuchte er nach der Schule die landwirtschaftliche Fachschule Klessheim bei Salzburg, einen zukunftsorientierten, zertifizierten Bio-Betrieb. Weil ihm auch das Arbeiten mit Holz sehr am Herzen lag, machte er noch eine zweite Ausbildung zum Schreiner. Als er den Gesellenbrief in der Tasche hatte, entschied er sich, als Schreiner zu arbeiten und den Hof im Nebenerwerb zu führen. Tatkräftig unterstützt wird er von den Eltern, die unter anderem einige Feldfrüchte anbauen und die Wiesen und Hecken pflegen. Seine beiden Brüder haben den Lehrerberuf ergriffen.

Um beides, die Arbeit in der Schreinerei und am Hof zu stemmen, traf Michael auch eine Entscheidung in Punkto Betriebszweig: Gleich nach der Hofübernahme stellte er nach Rücksprache und im Einvernehmen mit seinen Eltern von der Milchwirtschaft auf Mutterkuhhaltung um, die weniger aufwendig ist. Seitdem können die 15 reinrassigen Pinzgauer Rinder mit ihrer Nachzucht von Mitte April bis Ende Oktober Tag und Nacht auf den Wiesen direkt am Hof bleiben, zum Melken müssen sie nicht mehr reingetrieben werden. Die Beweidung ist ein Gewinn für alle Seiten: Die Rinder genießen die Weidesaison, halten das Grasland offen und fördern mit ihren Kuhfladen die Biodiversität. Die Tiere bekommen nur eigenes Futter wie Gras, Heu und Silage. Seit der Umstellung ist der Hof EU-biozertifiziert. Eine Verbandzugehörigkeit rechne sich nun, wo er keine Milch mehr produziert, für ihn nicht mehr, sagt der Betriebsleiter.

Sechs bis acht Tiere verkauft Michael pro Jahr im Alter von gut zweieinhalb bis drei Jahren zur Fleischproduktion. Er leistet damit einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zur Versorgung der Menschen mit heimischem Bio-Fleisch. Einige der Rinder gehen an die Waginger Metzgerei Heilmaier, die das hochwertige Biorindfleisch für ihre „Rupertirind“-Produkte verwendet, einige vermarktet er über die Erzeugergemeinschaft Schlachtvieh Traunstein. Die Pinzgauer sind sehr vital, haben harte Klauen und einen guten Charakter sowie eine hervorragende Fleischqualität, betont der Jungbauer.

Auch für Michaels Vater Matthias, genannt Hias, sind Tierwohl und die Produktion hochwertiger, ökologisch erzeugter Lebensmittel von großer Bedeutung. Er übernahm den kleinen Familienbetrieb von seinen Eltern 1975. Der Hof umfasst 16 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und vier Hektar Wald. Weil für Hias intensives Wirtschaften keine Option war, folgte er nach dem Abschluss der Landwirtschaftsschule dem Rat des damaligen Direktors, sich den ökologischen Landbau anzuschauen. Hias war schnell überzeugt, dass das Wirtschaften ohne Chemie sich für ihn richtig anfühlte. „Öko war mein Weg“, beteuert er, und meine Devise lautete fortan: „Nicht wachsen und weichen“.

Daher stellten Matthias und Marianne Spiegelsperger den Hof auf Bio um und traten 1989 dem Bioland-Verband bei, 2012 dann dem Demeter-Verband. Die von ihren Kühen produzierte Biomilch ging an die Berchtesgadener Milchwerke nach Piding. Zudem baute Hias Kartoffeln und Getreide an, einmal für die Selbstversorgung, die ihm sehr wichtig ist, aber auch für die Direktvermarktung ab Hof. Von 1991 bis 2006 lieferte er einige seiner Produkte an den Biobauern-Laden in Freilassing, der inzwischen nicht mehr existiert.

Weil er etwas für die Stärkung und Förderung der Artenvielfalt machen wollte, pflanzte Hias Anfang der 1990er Jahre aus eigener Initiative heraus einige Feldhecken mit heimischen Sträuchern. Diese nehmen insgesamt gut 400 Meter ein und haben einen stattlichen Bewuchs erreicht. Etwa alle zehn Jahre setzt er sie nach und nach auf Stock. Die verbesserte Situation der Wildvögel, die in den Hecken Schutz und Nahrung finden, sei der Lohn für diese Arbeit, sagt Hias, der Mitglied beim Bund Naturschutz ist und dem Teisendorfer Gemeinderat angehört. Goldammer, Neuntöter und viele gefährdete Arten mehr könnten inzwischen wieder beobachtet werden, freut sich der Altbauer.

Familie Spiegelsperger bekommt eine Flächenförderung für den ökologischen Landbau, weil dieser sich positiv auf die Bodengesundheit, unser Trinkwasser und letztlich für das Klima auswirkt. Für die Kühe gibt es ebenfalls eine Förderung, denn die Pinzgauer zählen immer noch zu einer der bedrohten Rinderrassen in Deutschland. Eine weitere Einnahmequelle haben die Spiegelsperger durch die Lieferung von Hackschnitzeln aus ihrem Wald an das lokale Nahwärmenetz in Wimmern, dass seit 2008 mehrere Haushalte des Weilers mit Wärme versorgt.

Über die spannende Geschichte des „Waderer“, so lautet der Name des Hofes seit Jahrhunderten, kann Altbauer Hias Spiegelsperger eine Menge erzählen. Der Hof habe bis zur Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts zur Abtei Frauenwörth auf der Fraueninsel im Chiemsee gehört. Der Legende nach soll davon auch der Hofname herrühren: „Waderer“ als jemand, der durchs Wasser watet. Die Familie Spiegelsperger ist seit 1863 urkundlich auf dem Hof nachweisbar, davor war es die Familie Eigenherr, die wiederum bis etwa 1730 in den Kirchenbüchern zu finden ist. 

Bis heute hat sich ein besonderes Dokument auf dem Hof in Wimmern erhalten: Der originale und mit Siegel versehene Ablösungsbrief aus dem Jahr 1821. Diese Urkunde dokumentiert, dass der Bauer vom Waderer Hof „auf ewige Zeiten“ keine Abgaben an seinen Grundherrn mehr leisten muss. Auf diesen historischen Schatz und alles, was sie in den vergangenen Jahrzehnten erreicht hat, ist die Landwirtsfamilie stolz. Und das zu Recht.

 

Adresse:

Biobauernhof

Michael Spiegelsperger

Wimmern 20

83317 Teisendorf

Tel. 08666 1527

 Hofporträt von Karin Kleinert

 

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