„Bei der Aussaat im April war es für meine Braugerste zuerst sehr trocken. Der Bestand ist anfangs schlecht aufgegangen und hatte keine besonders gute Jugendentwicklung“, schaute er auf ein schwieriges Frühjahr zurück. Gut ein Dutzend Kollegen, alle in der Braugersten-Liefergemeinschaft der Ökomodellregion für die Brauerei Stein vereint, trafen sich zur Felderbegehung in Tittmoning zum gegenseitigen Fachaustausch.
„Immer häufiger haben wir es mit großer Trockenheit im Frühjahr zu tun, die die Jugendentwicklung vom Sommergetreide erschwert“, bestätigte Vroni Wolf, die die Begehung als Beraterin des Anbauverbands Naturland begleitete. „Auf sehr kiesigen Böden wie in den Salzachauen kann sich das Problem verschärfen – dabei sind diese eigentlich ideal für den Anbau von Braugerste geeignet, weil die Getreideart keine „nassen Füsse“ mag“, so Wolf. „Der Anbau alleinig von Wintergetreide, ohne Unterbrechungen durch den Anbau von Sommergetreide, kann allerdings dauerhaft Probleme mit Ungräsern hervorrufen“, gab sie zu bedenken.
Ein Landwirt rechnet mit Totalausfall der Gerste
„Ein etwas lichterer Gerstenbestand kann für die Füllung der Körner und für den gewünschten hohen Anteil an Vollgerste auch Vorteile haben – wir wissen erst nach dem Dreschen, wie das Ergebnis ausfällt“, waren sich die Biobauern einig. Die meisten haben auf unterschiedlichen Standorten heuer ähnliche Erfahrungen gemacht wie ihr Kollege Kraller, nur einer rechnet aufgrund extremer lokaler Trockenheit mit einem notwendigen Umbruch der Braugerste und somit einem Totalausfall. Landwirt Kraller erwartet für dieses Jahr ein eher durchschnittliches Ergebnis von unter 3 Tonnen pro Hektar und wäre damit durchaus zufrieden. „Bis Mitte Juli werde ich den Bestand voraussichtlich dreschen“. Beim Blick in die nahen Hecken erzählt er noch von mindestens zwei „Rebhuhnketten“, also Hühnerfamilien, die er letztes Jahr auf seinen Äckern gesehen hat. Aus Artenschutzsicht ist das eine der größten Auszeichnungen für einen Betrieb, weil das Rebhuhn, früher überall häufig, mittlerweile akut vom Aussterben bedroht ist.
Zweite Station der Felderbegehung ist der Betrieb von Andreas Remmelberger Junior aus Burgkirchen, der ebenfalls Äcker in Tittmoning hat. Seine Biobraugerste hat er am 20. März auf eher kiesigem Boden gesät. Anfang Mai, also einige Zeit nach dem Aufgang, hat er kräftig gestriegelt, um Beikräuter in Schach zu halten, und dabei eine Untersaat mit einem Rotklee-Luzernegrasgemisch eingebracht, die zwischen den Reihen schön zu sehen ist. Außerdem hat er Anfang Mai gewalzt und eine Güllegabe verteilt. „Nach diesen Bearbeitungsgängen hat meine Braugerste furchtbar ausgeschaut. Das hat sie aber wieder gut aufgeholt. Jetzt bin ich sehr zufrieden mit der Entwicklung“, so der junge Ackerbauer. „Noch schöner war mein Winterbraugerstenbestand, den ich bereits gedroschen habe“, führt er die Gruppe zum Vergleich auf seinen Acker mit einem kleinen Restbestand Winterbraugerste. Auf seinen Böden rechnet der junge Biobauer mit Erträgen von etwa 4 Tonnen pro Hektar.
Zum Thema Düngung schließt sich ein reger Erfahrungsaustausch der Landwirte an. Deutlich wird, sei es durch eine günstige Stellung in der Fruchtfolge, durch eine Güllegabe oder die Untersaat mit stickstoffsammelnden Hülsenfrüchten wie Kleegras, die Braugerste braucht genügend Stickstoff, um den notwendigen Mindestgehalt an Eiweiß und damit die erforderliche Brauqualität zu erreichen. Sie kann nicht ohne Düngung am Ende der Fruchtfolge stehen, weil sie sonst Qualitätsmängel hat. Mit einem zu hohen Eiweißgehalt und daher überschießender Schaumbildung im Bier haben die Biobauern dagegen, anders als manchmal im herkömmlichen Anbau, kein Problem.
Markus Milkreiter, Geschäftsführer der Brauerei Stein als Kooperationspartner der Liefergemeinschaft, ließ es sich nicht nehmen, trotz Regen vor Ort am Fachaustausch teilzunehmen. Er erinnerte an die Erfahrungen vom letzten Jahr: „Die Braugerste, die letztes Jahr noch vor der Regenperiode im Juli gedroschen wurde, wies gute Qualitäten zum Vermälzen auf, während die später geerntete mit Auswuchsproblemen und deshalb minderer Qualität zu kämpfen hatte. Also im Zweifel der Qualität zuliebe bitte lieber etwas früher dreschen und ggf. die Gerste schonend trocknen“, gab er wertvolle Hinweise.
Regionales Biobier ein „leuchtendes Beispiel“
„Anbau vor Ort, Verarbeitung in der Region bis zum fertigen Produkt und hiesiger Verkauf, dafür bleibt unsere Wertschöpfungskette Biobier ein leuchtendes Beispiel, das sich auch auf andere Produkte übertragen lässt“, bedankte sich Organisatorin Marlene Berger-Stöckl von der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel bei den Bauern und beim Verarbeiter für die fruchtbare Zusammenarbeit.
Artikel aus der Südostbayerischen Rundschau vom 14.07.2026, Redaktion