Sie wirtschaften nach den Kriterien des Demeter Verbandes. Wichtig sind ihnen die Produktion hochwertiger Milch, das Tierwohl und ein nachhaltiger Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Im Einklang mit der Natur zu arbeiten ist daher für die Winklers, die 2022 den 1. Platz bei der Bayerischen Wiesenmeisterschaft erreichten, eine Selbstverständlichkeit.
Matthias und Rosemarie haben den Hof 2008 von Matthias‘ Eltern übernommen, die ebenfalls Milchvieh hielten. Weil die Eltern die Landwirtschaft nicht sehr intensiv betrieben, sei es keine große Umstellung gewesen, den Betrieb 2009 biozertifizieren zu lassen, erzählt Matthias, ein gelernter Landwirt. Und überzeugt seien sie von der biologischen Landwirtschaft sowieso gewesen. Freilich habe der bessere Preis für die Biomilch, die alle zwei Tage von der Molkerei Berchtesgadener Land in Piding abgeholt wird, auch eine Rolle gespielt.
Die ersten Jahre gehörten die Winklers dem Naturland-Verband an. Doch dann wollten sie eine Nische im Biomilch-Markt finden und beschlossen, den nächsten Schritt zu gehen, zu Demeter zu wechseln und damit quasi ein „Bio-Premium Lebensmittel“ herzustellen, wie es Rosemarie, eine gelernte Bürokauffrau, ausdrückt.
Der Hof heißt seit alters „Beim Maier in Ollerding“. Er liegt in einer wunderschönen, leicht hügeligen Landschaft südwestlich der Stadt Tittmoning. Die Familie Winkler lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Vorfahren hätten wenige Rinder gehabt und in erster Linie Getreide angebaut, so wie es im Rupertiwinkel über Jahrhunderte üblich war, weiß der Betriebsleiter. Das Bauernhaus wurde in den 1920er Jahren zu einem stattlichen, mehrstöckigen Gebäude um- und ausgebaut.
Zum Betrieb gehören 40 Hektar Nutzfläche und 20 Hektar Wald. Neben dem Grünland bauen die Winklers auf einigen Hektar Futter für ihre gut 35 Milchkühe und deren Nachzucht an, darunter Kleegras, Mais und Gerste. Die Felder werden mit Mist und Gülle, die mit speziellen, vom Demeter-Verband empfohlenen Präparaten angereichert ist, gedüngt. Mit dem Holz aus dem Wald werden Hackschnitzel für die eigene Verwendung und den Verkauf produziert.
Das Tierwohl ist den Winklers wichtig. Deshalb darf das Fleckvieh von April bis November zum Fressen auf die schönen Wiesen, die direkt am Hof angrenzen. Wenn sie wollen, können die Rinder aber auch jederzeit in den Tretmiststall gehen. Gemolken werden sie an einem Melkstand.
Das Motto der Winklers „Im Einklang mit der Natur arbeiten“ spiegelt sich im Besonderen auf den artenreichen Wiesen wieder. Glatthafer und andere wilde Gräser, rote Flockenblumen, zartblaue Glockenblumen, Hornklee, Heilziest, Wiesensalbei, Klappertopf und weißer Knöllchen-Steinbrech sind nur einige der selten gewordenen Pflanzen, die hier gedeihen und auf extensive Flächen hinweisen.
Der große Artenreichtum auf den Wiesen und Weiden der Winklers war es auch, der die Jury der Bayerischen Wiesenmeisterschaft 2022 überzeugte. Die Juroren prämierten ihre knapp einen Hektar große, „Etz“ genannte Glatthaferwiese mit dem 1. Preis und würdigten damit das Engagement der Familie für die Biodiversität in der Kulturlandschaft. Rund um diese Wiese ist es wunderschön ist. Es gibt einen alten Eichenwald, wo Totholz liegen bleiben darf, und einen Bach. „Die Experten waren begeistert“, sagen die beiden stolz.
„Einfach mal was stehen lassen und nicht abmähen; das ist gut für Insekten, Vögel, Gräser und Blumen“, begründen die Winklers ihren Erfolg. Es mache ihnen selbst große Freude, immer wieder etwas Neues zu entdecken. Die Meisterschaft, die vom Bund Naturschutz und der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft veranstaltet wird, findet jedes Jahr in einer anderen bayerischen Region statt. 2022 war dies die Ökomodellregion Waginger See - Rupertiwinkel. Die Öko-Modellregion führte den Wettbewerb, an dem 23 Betriebe teilgenommen hatten, zusammen mit dem Landschaftspflegeverband Traunstein und weiteren Partnern durch.
Die Winklers haben ihre Wiesen auch im Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm (VNP), was bedeutet, dass sie sie erst ab 15. Juni mähen dürfen. Für diese Maßnahme, die dem Erhalt und der Verbesserung ökologisch wertvoller Lebensräume dient, bekommen sie pro Hektar einen finanziellen Ausgleich. Auch das Heu dieser artenreichen Blumenwiese verwertet der Biobauer und gibt es allen Tieren am Hof zum Fressen.
Demeter-Milchviehbetrieb Winkler
Matthias und Rosemarie Winkler
Ollerding 1
84529 Tittmoning
Tel.: 08683 891512
Mail: mrw.ollerding@gmx.de
Porträt von Karin Kleinert, 26.05.2026